Uptime und SLA: Was 99,9 % Verfügbarkeit wirklich bedeutet
Ausfallzeiten je Prozentstufe, das Kleingedruckte im Service Level Agreement und wie Sie mit einem eigenen Monitor prüfen, ob die Zusage eingehalten wird.
99,9 % Uptime bedeuten, dass eine Website rechnerisch bis zu rund 43 Minuten im Monat oder knapp neun Stunden im Jahr ausfallen darf, ohne dass der Hoster gegen seine Zusage verstößt. Ob diese Zahl im Alltag etwas wert ist, entscheidet das SLA dahinter: wie gemessen wird, welche Ausfälle nicht zählen und was Sie bei einem Verstoß bekommen. Dieser Artikel übersetzt Prozentwerte in Minuten und zeigt, worauf Sie beim Hosting-Vergleich achten sollten.
Uptime-Prozente in Ausfallzeit umgerechnet
Prozentangaben klingen abstrakt und sehr ähnlich. Erst die Umrechnung zeigt die Unterschiede. Grundlage der Tabelle: ein Jahr mit 365 Tagen, ein Monat mit 30 Tagen.
| Zugesagte Verfügbarkeit | Erlaubter Ausfall pro Monat | Erlaubter Ausfall pro Jahr |
|---|---|---|
| 99 % | 7 Stunden 12 Minuten | 87 Stunden 36 Minuten (gut 3,6 Tage) |
| 99,5 % | 3 Stunden 36 Minuten | 43 Stunden 48 Minuten |
| 99,9 % | 43 Minuten | 8 Stunden 46 Minuten |
| 99,95 % | 22 Minuten | 4 Stunden 23 Minuten |
| 99,99 % | gut 4 Minuten | knapp 53 Minuten |
Jede weitere Neun nach dem Komma verringert die erlaubte Ausfallzeit auf ein Zehntel. Der Sprung von 99 % auf 99,9 % ist für Besucher deutlich spürbar, der von 99,9 % auf 99,99 % vor allem für Shops und Anwendungen mit vielen gleichzeitigen Nutzern.
Was ein SLA ist und was darin steht
Ein Service Level Agreement ist der Teil des Vertrags, der messbare Leistungen festlegt. Beim Hosting geht es meist um Verfügbarkeit, manchmal auch um Reaktionszeiten des Supports. Ein vollständiges SLA beantwortet diese Fragen:
- Was wird gemessen? Die Erreichbarkeit des Netzwerks, des Servers oder Ihrer konkreten Website. Ein Server kann antworten, während Ihre Seite einen Datenbankfehler zeigt.
- Wie wird gemessen? Eigene Messung des Anbieters, Messintervall, Messstandorte und ab welcher Dauer ein Ausfall zählt.
- Bezugszeitraum: pro Monat oder pro Jahr. Ein Jahreswert lässt einen einzelnen langen Ausfall eher zu als ein Monatswert.
- Ausnahmen: angekündigte Wartungen, höhere Gewalt, Angriffe, Fehler in Ihrer eigenen Software oder Überlastung durch Ihren Traffic.
- Folgen eines Verstoßes: Gutschriften, ihre Höhe, die Antragsfrist und eine Obergrenze.
Fehlt ein Teil davon, ist die Prozentangabe eher eine Werbeaussage als eine belastbare Zusage.
Das Kleingedruckte: typische Ausnahmen
Geplante Wartung
Viele Anbieter nehmen angekündigte Wartungsfenster aus der Berechnung heraus. Das ist legitim, Server müssen aktualisiert werden. Problematisch wird es, wenn Häufigkeit und Dauer nicht begrenzt sind. Gute Verträge nennen eine maximale Wartungszeit pro Monat, Zeitfenster in verkehrsschwachen Stunden und eine Ankündigungsfrist.
Ausfälle durch die eigene Website
Legt ein fehlerhaftes Plugin Ihre Seite lahm, ist das kein Verstoß des Hosters. Das gilt auch, wenn Ihr Tarif durch zu viele Zugriffe an seine Ressourcenlimits stößt. Gerade bei Shared Hosting ist diese Grenze wichtig: Die Plattform läuft, aber Ihr Konto wird gedrosselt.
Netz und DNS
Manche SLAs beziehen sich nur auf das eigene Rechenzentrum. Störungen bei vorgelagerten Netzbetreibern oder beim DNS-Anbieter fallen dann heraus, obwohl Ihre Besucher die Seite nicht erreichen.
Gutschrift statt Schadensersatz
Hält der Hoster die Zusage nicht ein, sehen die meisten Verträge eine gestaffelte Gutschrift vor, etwa einen Teil der Monatsgebühr. Die Haftung für weitere Schäden ist in der Regel ausgeschlossen oder begrenzt. Für einen Tarif mit geringer Monatsgebühr steht die Gutschrift damit in keinem Verhältnis zu einem verlorenen Verkaufstag.
Daraus folgt: Ein SLA ist ein Indikator dafür, wie ernst ein Anbieter Verfügbarkeit nimmt, aber keine Versicherung. Wenn ein Ausfall teuer ist, brauchen Sie technische Vorsorge: aktuelle Backups an einem zweiten Ort, einen Plan für den schnellen Wechsel und bei hohen Anforderungen eine redundante Infrastruktur. Mehr zur Sicherung lesen Sie im Artikel Website-Backup.
Welche Verfügbarkeit brauche ich?
Rechnen Sie, was eine Stunde Ausfall kostet: entgangene Bestellungen, verpasste Anfragen, Supportaufwand und Vertrauensverlust. Daraus ergibt sich eine grobe Einordnung.
| Projekt | Ausfallfolgen | Sinnvolle Zusage |
|---|---|---|
| Privater Blog, Vereinsseite | gering | 99 % bis 99,5 % reichen meist, wichtiger sind Backups |
| Unternehmensseite, Leadformulare | Anfragen gehen verloren | 99,9 %, Monitoring und schneller Support |
| Onlineshop | direkter Umsatzverlust | 99,9 % oder höher, Statusseite, klare Wartungsregeln |
| Geschäftskritische Anwendung | Prozesse stehen still | 99,95 % und mehr mit Redundanz und individuellem Vertrag |
Mehr zu den Anforderungen von Firmen, etwa Auftragsverarbeitung und Ansprechpartner, finden Sie unter Webhosting für Unternehmen.
Hohe Verfügbarkeit ist eine Frage der Architektur
Ein einzelner Server kann ausfallen, egal wie gut er gewartet wird: Hardware altert, Updates erfordern Neustarts, Netzwerke haben Störungen. Werte deutlich über 99,9 % erreicht man deshalb nur mit Redundanz, also mehreren Servern hinter einem Lastverteiler, replizierten Datenbanken und gegebenenfalls mehreren Standorten. Das ist bei klassischem Shared Hosting selten enthalten und erklärt, warum hohe Zusagen eher bei Managed-Server- und Cloud-Angeboten zu finden sind.
Ein günstiger Baustein für jede Website ist ein vorgeschaltetes CDN. Es kann statische Inhalte weiter ausliefern und je nach Konfiguration bei kurzen Störungen des Ursprungsservers eine zwischengespeicherte Version zeigen. Details dazu im Artikel CDN erklärt.
Uptime selbst messen
Verlassen Sie sich nicht allein auf die Angaben des Anbieters. Ein externer Uptime-Monitor ist schnell eingerichtet:
- Überwachte Adresse: nicht nur die Startseite, sondern eine Seite, die Datenbank und Anwendung nutzt.
- Inhaltsprüfung: der Monitor sucht ein bestimmtes Wort im Seiteninhalt. So fallen auch Fehlerseiten auf, die mit Statuscode 200 ausgeliefert werden.
- Intervall: wenige Minuten, damit kurze Ausfälle sichtbar werden.
- Mehrere Standorte: so unterscheiden Sie einen echten Ausfall von einer regionalen Netzstörung.
- Benachrichtigung: per E-Mail, App oder Messenger an mindestens zwei Personen.
- Protokoll: Ausfälle mit Uhrzeit und Dauer festhalten. Damit können Sie Gutschriften fristgerecht beantragen.
Viele Hoster betreiben zusätzlich eine öffentliche Statusseite. Wie offen dort über Störungen berichtet wird, sagt viel über die Kultur eines Anbieters aus.
Fragen, die Sie dem Hoster stellen können
Wenn die Leistungsbeschreibung unklar bleibt, fragen Sie vor Vertragsabschluss schriftlich nach:
- Bezieht sich die Verfügbarkeit auf das Netz, den Server oder die Erreichbarkeit einzelner Websites?
- Wie viele Stunden Wartung pro Monat sind maximal vorgesehen, und wie lange vorher werden sie angekündigt?
- Wie hoch war die tatsächliche Verfügbarkeit in den vergangenen zwölf Monaten?
- Wie wird ein Ausfall gemeldet, und wo sehe ich laufende Störungen?
- Welche Gutschrift gibt es bei Unterschreitung, und wie beantrage ich sie?
Konkrete, schriftliche Antworten sind ein gutes Zeichen. Ausweichende Antworten sind ein Grund, genauer hinzusehen.
Checkliste: SLA prüfen
- Verfügbarkeit in Prozent und Bezugszeitraum (Monat oder Jahr) genannt
- Messmethode beschrieben: was, wie oft, von wo
- Wartungsfenster begrenzt und mit Ankündigungsfrist
- Ausnahmen nachvollziehbar und nicht uferlos
- Gutschriften, Antragsweg und Frist bekannt
- Öffentliche Statusseite vorhanden
- Eigener Uptime-Monitor mit Inhaltsprüfung eingerichtet
- Notfallplan mit externem Backup für den Fall eines längeren Ausfalls
Fragen und Antworten
- Ist 99,9 % Uptime gut?
- Für die meisten Websites ist das ein solider Wert, den viele Webhoster zusagen. Für Shops oder geschäftskritische Anwendungen kann eine höhere Stufe sinnvoll sein, sie setzt aber redundante Technik voraus und kostet entsprechend mehr. Wichtiger als die Zahl ist, wie der Anbieter sie misst und was er ausschließt.
- Zählt geplante Wartung als Ausfall?
- Das regelt der Vertrag. In vielen SLAs sind angekündigte Wartungsfenster ausdrücklich ausgenommen. Die tatsächliche Erreichbarkeit kann dann niedriger liegen als die zugesagte Verfügbarkeit. Achten Sie darauf, wie oft und wie lange solche Fenster sein dürfen und ob sie vorab angekündigt werden müssen.
- Was bekomme ich, wenn der Hoster das SLA nicht einhält?
- Üblich sind Gutschriften auf die Monatsgebühr, gestaffelt nach der Höhe der Unterschreitung und oft nur auf Antrag innerhalb einer Frist. Einen entgangenen Umsatz decken solche Gutschriften praktisch nie ab. Wer hohe Ausfallkosten hat, braucht deshalb technische Vorsorge statt nur einer Vertragsklausel.
- Wie messe ich die Uptime meiner Website selbst?
- Mit einem externen Monitoring-Dienst, der Ihre Seite in kurzen Abständen von mehreren Standorten aus abruft und bei Fehlern benachrichtigt. Prüfen Sie dabei nicht nur, ob der Server antwortet, sondern ob eine bestimmte Seite mit dem erwarteten Inhalt ausgeliefert wird.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion HostingAS. Hinweise auf Fehler oder veraltete Angaben nehmen wir gern über das Kontaktformular entgegen.